Wahlkampfkampagnen sind sehr aufwändig. Die Parteien können dabei auf Designvorgaben der Parteizentralen zurückgreifen oder haben feste Ansprechpartner in PR-Agenturen. Ich habe meine Kampagne fast komplett selber geplant und umgesetzt. Hier möchte ich hier verraten, wie und was ich gemacht habe:
 
Auch als Einzelbewerber brauche ich natürlich auch eine professionelle Kampagne. Ich setze dabei auf das volle Programm, mache aber einige Dinge anders. Teure Großflächenplakate, sogenannte Wesselmänner, habe ich nur zwei: an der B1 neben der Aral-Tankstelle in Heißen und am Schloss Broich. Dafür habe ich umso mehr Plakate im DIN A0-Format, die größer sind als die der Mitbewerber. Darüber hinaus habe ich mir Brückenbanner von der Stadt genehmigen lassen, die so in der Form noch keine Partei verwendet hat. Um die Bürger über mich und mein Programm informieren zu können, habe ich eine Webseite und eine Broschüre erstellt. Für den Straßenwahlkampf setze ich unser Lastenrad ein.
 
Für das Design meiner Kampagne verwende ich einen Stil, den Influenzer auf YouTube gerne nutzen. Dabei werden freigestellte Bilder von Personen mit einem Rand versehen und dadurch hervorgehoben. Das ergibt ein modernes Erscheinungsbild und setzt sich von den üblichen Köpfe-Fotos ab.
 
Für das Design des Logos habe ich im Januar einen Designer beauftragt, alles andere habe ich selbst erstellt. Für die Webseite habe ich den Winter genutzt, um mir eine neue Webseitentechnologie anzueignen. Wenn man eine Webseite selber programmiert, hat man den Vorteil, schnell und immer wieder aktuell seine Webseite ändern zu können.
 
Auf YouTube habe ich einige Videos in meinem Kanal eingestellt. Diese Videos habe ich genauso wie die WDR Kandidatencheck Videos wieder selber produziert und geschnitten. Ich habe mir dazu eine Profi-Kameraausrüstung zugelegt und mich in ein Videoschnittprogramm eingearbeitet. Wie man mit der Kamera umgeht, kann man sehr gut mit anderen YouTube-Lernvideos lernen. Das macht sehr viel Spaß und man kann gut eigene Ideen umsetzen. So habe ich mich wieder für einen modernen YouTube-Stil entschieden und die Videos mit schnellen Schnitten versehen.
 
Für die Plakate und Banner sowie Werbeanzeigen habe ich mir ein DTP-Computerprogramm zugelegt und mich dort eingearbeitet. Genauso wie bei der Fotobearbeitung bin ich dadurch flexibel und kann eigene Ideen ohne Einbindung Dritter realisieren.
 
Als sehr aufwändig erwies sich die Erstellung der Infobroschüre. Hier erkläre ich auf mehreren Seiten, wie mein Programm aussieht, was wichtig für die Stadt ist sowie einige persönliche Dinge. Fotos auswählen und bearbeiten, Texte schreiben, Layout gestalten – das braucht mehr Zeit als man gemeinhin denkt. Die Texte habe ich von meinem Wahlkampfteam gegenlesen lassen, aber ansonsten habe ich die Broschüre komplett selbst erstellt. Leider ging dafür dann auch mein Urlaub größtenteils drauf. 10 Tage Nordsee waren gebucht, meine Frau und die Kinder sind alleine vorgefahren. Ich bin für zwei Tage nachgereist und habe auch vor Ort noch Texte geschrieben.
 
Die Broschüre habe ich anschließend in Mülheim verteilen lassen. Wenn jedoch ein „Bitte keine Werbung“-Aufkleber am Briefkasten prangte, durfte der Verteilerdienst keine Broschüre einwerfen. Bürger, die daher keine Broschüre erhalten haben, können diese telefonisch anfordern (Tel. 62809277) oder auf der Webseite www.abeln-waehlen.de als PDF herunterladen. Vielleicht hat aber auch der Nachbar ein Exemplar und leiht dieses gerne aus.
 
Eine der häufigsten Fragen zu meinem Wahlkampf lautet: „Wie finanzieren Sie das?“. Die Antwort lautet leider: aus eigener Tasche. Eine Wahlkampfkostenerstattung gibt es nicht. Einige Bürger unterstützen mich jedoch mit einer Überweisung auf mein Unterstützerkonto (IBAN DE64 3625 0000 1175 8926 01 bei der Sparkasse Mülheim). Allen Unterstützern möchte ich auf diesem Wege ein ganz großes „Dankeschön!“ zurufen und herzliche Grüße senden. Die größten Kostenblöcke waren die Druckkosten und die Verteilerkosten. Für eine PR-Agentur musste ich kein Geld ausgeben, da ich wie beschrieben fast alles selbst gemacht habe. Meine Erfahrungen aus Ausbildung, Studium und 13 Jahren Selbständigkeit halfen mir hierbei natürlich enorm.
 
Für den Straßenwahlkampf hat sich etwas bewährt, womit ich nicht unbedingt gerechnet hatte: unser Lastenrad. Letztes Jahr gekauft nutzen wir es für die Fahrten zum Kindergarten (es passen bis zu vier Kinder hinein, reicht also für unsere drei Kleinen) und für Einkäufe. Ich habe das Rad mit meinem Logo versehen lassen und bin damit samstags in der Innenstadt unterwegs, um den Menschen Rede und Antwort zu stehen. Wenn ich vom Ordnungsamt für bestimmte Tage keinen Standplatz erhalten habe, kann ich mit dem Rad durch die Innenstadt gehen und werde (spätestens daran) sofort erkannt. Im Lastenrad habe ich alles dabei, was ich brauche an Materialien. Ungemein praktisch und sicher ein Trend für die nächste Kommunalwahl, wie mir Parteivertreter berichteten.

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