Das Friedrich-Wennmann-Schwimmbad ist marode und muss neu gebaut werden. Die geplanten 16 Mio. dafür sind weder bewilligt, noch weiß man im Rat überhaupt, wie man die Summe aufbringen will. Und das, wo uns eh schon Wasserfläche für Schulen und Öffentlichkeit fehlt. Das dritte Schwimmbad links der Ruhr ist seit langem diskutiert, aber utopisch bei der aktuellen Finanzlage.

Ich möchte daher mit neuen Ansätzen den Bau von Wennmann- und Links-der-Ruhr-Bad realistischer machen.

Wenn ein Unternehmen ein Produkt auf den Markt bringen will, muss es so lange an der Kostenstruktur und der Preisgestaltung arbeiten, bis das Produkt wirtschaftlich verkauft werden kann. Genau so sollten wir es hier auch machen.

Fangen wir mit den Kosten an: Es gibt zwei Blöcke zu betrachten, den Bau und den Betrieb eines Schwimmbades. Beim Bau können wir Geld sparen, indem wir nicht von Grund auf ein Bad neu planen lassen, sondern ein bestehendes Bad nachbauen. Dazu suchen wir nach einem Bad, das in der jüngeren Vergangenheit in Deutschland oder benachbartem Ausland kostengünstig gebaut und betrieben wurde. Wir können dadurch auch direkt von den Fehlern lernen, die beim Bau dort gemacht wurden. Wieder Geld gespart. Oder die Dinge berücksichtigen, die man im Nachhinein lieber anders gemacht hätte. Wer schon mal gebaut hat, weiß wovon ich rede.

Zweiter Kostenblock: der Betrieb des Bades. Die Kostentreiber hier sind Personal- und Energiekosten. Bei den Energiekosten kann man sparen, wenn man nur so viel Energie verbraucht, wie irgend notwendig. Ein Wellness-Außenbecken mit Blubberblasen und Strömungskreisel wie in Lintorf ist zwar nett, für den Schwimmsport und das Schwimmenlernen aber nicht notwendig und verbraucht gerade im Winter irre viel Energie. Also Wellness-Außenbecken weglassen. Vielleicht auch überlegen, ob alle Bahnen wettkampf- und olympiatauglich ausgelegt sein müssen, oder ob es reicht, am Anfang und Ende ein tiefes Becken zu haben und in der Mitte nicht. Dadurch würde man Wasser sparen, das man auch nicht erhitzen muss. Grundsätzlich muss aber gelten: Energie möglich regenerativ und damit kostengünstig erzeugen.

Kommen wir zu den Einnahmen. Erster Punkt: Preisdynamisierung. In Zeiten, in denen wenig los ist, den Preis senken und damit mehr Nachfrage schaffen. Insgesamt können dadurch auch mehr Menschen vom Bad profitieren.

Zweiter Punkt: Marge erhöhen durch Zusatzleistungen. Machen wir es doch wie die Autohersteller. Mit dem Auto in Grundausstattung verdient kein Hersteller Geld, wohl aber mit Zusatzausstattung wie LED-Licht usw. Bauen wir zwei Bahnen mehr (oder ein eigenes Becken), welches wir an Firmen vermieten für Firmenevents oder Veranstaltungen. Gerade im B2B-Bereich kann Geld verdient werden. Zweite Vermarktungsmöglichkeit für Zusatzbahnen: High-End-Consumer-Bereich. Es gibt durchaus Leute, die deutlich mehr Geld auf den Tisch legen würden, wenn sie nach Feierabend 30 Minuten lang eine Bahn für sich alleine haben oder nur zu zweit sind.

Eine weitere Einnahmequelle stellt die Gastronomie dar. Pommes nur für Badegäste zu machen lohnt sich nicht wirklich. Eine richtige Gastronomie, die auch von außen besucht werden kann, ohne Badegast zu sein, lohnt sich dagegen schon. Mehr Besucher, mehr Umsatz, mehr Pachteinnahmen.

Nicht zu vergessen: die klassische Werbung. Was spricht dagegen, den Boden des Beckens mit einem großen Firmenlogo zu versehen gegen entsprechende Gebühr? Bandenwerbung mit LED wie in Fußballstadien. Namensvergabe des Bades (Firma XY-Bad statt Friedrich-Wennmann-Bad).

Wenn wir konsequent alle Möglichkeiten ausschöpfen (und die hier genannten sind sicherlich noch nicht das Ende der Fahnenstange), kommen wir ein ganzes Stück herunter von den 16 Mio. für ein Bad. Damit wird der Bau eines solchen Bades, zusätzlich unterstützt durch Fördermittel, deutlich schneller möglich. Zusätzlich haben wir dann durch niedrigere Betriebskosten auch mehr Geld für andere Dinge.

Wir müssen in Mülheim nicht das beste, größte und teuerste Bad haben. Ein solches Bad werden wir auch nie bekommen, weil die Stadt schlichtweg kein Geld dafür hat. Besser zwei konsequent auf Effizienz getrimmte neue Bäder, als gar kein neues Bad. Dann könnten auch endlich wieder mehr Kinder vernünftig schwimmen lernen. Ein Viertel aller 10-16jährigen kann nicht richtig oder gar nicht schwimmen!

Bildnachweis: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fm_stirling_pool.jpg (Creative Commons Lizenz)

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