Radfahrer und Fußgänger brauchen ihre eigenen Wege

 
Bis letztes Jahr hatten wir wie viele in Mülheim zwei Autos und zwei unbenutzte Fahrräder. Im Sommer kaufte ich mir ein E-Bike. Von da an war alles anders. In Mülheim gibt es viele Steigungen, die mit teilweise 8% sehr steil sein können. Mit einem E-Bike kann man dort mühelos hochfahren. Das E-Bike fahren macht richtig viel Spaß durch die große Unterstützung des Motors. Ich fing an, bei meinen Alltagsstrecken das Auto stehen zu lassen und mit dem E-Bike zu fahren. Ich habe dabei Mülheim neu entdeckt und viele tolle Wege abseits der Hauptverkehrsstraßen gefunden. Ich kann von Saarn in die Innenstadt ohne eine einzige Ampel fahren, durch die Natur und an der Ruhr entlang. Das entspannt total.
 
Die meisten Fahrtstrecken innerhalb der Stadt sind sehr kurz, meist 2 bis 4 Kilometer. Für das Fahrrad ideale Entfernungen. Das Fahrrad zu nehmen, schont auch das Auto. Auf diesen kurzen Strecken wird der Motor des Autos nicht warm, verschleißt mehr und verbraucht auch mehr Sprit. Tja, und das Wetter: ich habe mir im Herbst eine passende Ausrüstung für Schuhe, Beine, Helm und Hände besorgt. Selbst bei Starkregen wird nur noch das Gesicht nass. Ich liebe es sogar, bei Regen zu fahren. Ich fahre inzwischen fast ausschließlich mit dem Rad innerhalb der Stadt, auch im Winter.
 
Auf dem Fahrradmarkt hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Neue Modelle für alle Einsatzzwecke sind auf den Markt gekommen. Wir hatten uns ein Lastenrad bestellt, welches nach mehreren Monaten endlich geliefert wurde. Mit dem Lastenrad können bis zu vier Kinder transportiert werden und die Kinder haben richtig Spaß darin. Wir nutzen es regelmäßig für Fahrten zum Kindergarten, aber auch zum Einkaufen.
 
Mit dem E-Bike und seinen Varianten ist zum ersten Mal eine ernsthafte Alternative zum Auto verfügbar. Es ist nicht mehr anstrengend und man schwitzt nicht mehr, das ist der große Vorteil des Elektromotors. Wird damit eine Verkehrswende möglich?
 
Wir haben gemerkt: Zwei E-Bikes, ein Fahrradanhänger und ein E-Lastenrad – da brauchen wir den Zweitwagen nicht mehr. Also haben wir den Kombi verkauft. Unsere ganz persönliche Verkehrswende. Inzwischen bin ich auch Mitglied im ADFC und im VCD.
 
Also Mülheim zu einer reinen Fahrradstadt machen? Nein. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder Bürger frei zwischen den Verkehrsmitteln Auto, Fahrrad und ÖPNV wählen können sollte. Mit allen drei sollte man sicher, schnell und komfortabel von A nach B gelangen können. Nicht jeder kann oder will mit dem Fahrrad fahren.
 
Die Fahrradinfrastruktur möchte ich jedoch gerne ausbauen, Radschnellverbindungen zwischen den Stadtteilen und dem RS1 schaffen.
 
Auch beim Thema Sicherheit sehe ich Handlungsbedarf: Nicht nur der Autoverkehr muss bei der Sicherheit betrachtet werden. Auch die Konflikte und Gefahrensituationen zwischen Radfahrern und Fußgängern werden mehr, weil sich Berufspendler und Alltagsradler den Raum mit Spaziergängern teilen müssen, wie an der Ruhr. Das sollten wir auftrennen und jeweils eigene Wege schaffen.
 
Noch eine Vorschlag für die Sicherheit an Kreuzungen: Weitwinkelspiegel unterhalb von Ampeln, auch Trixi-Spiegel genannt, helfen Auto- und vor allem LKW-Fahrern, den toten Winkel einzusehen. Damit können wir Abbiegeunfälle verringern.
 
Ich werde auch für eine Alternative zum Fahrradaufzug am RS1 kämpfen. Unser Lastenrad passt nicht in den Aufzug, genauso wie Tandems, Räder mit Anhänger usw. Ausgerechnet dort, wo wir auch Touristen und Tagesausflügler erwarten, fehlt eine Rampe. Ist der Aufzug defekt, gehen uns dort viele Besucher und damit Einnahmen für die Gastronomie und die Stadt verloren.
 
Am Ende jeder Fahrt steht das Abschließen des Rades. Hier möchte ich noch viel mehr Fahrradbügel, auch an Sporthallen und der Stadthalle. Dass man flexibel bis vor die Tür fahren kann, ist ja einer der Vorteile des Rades. Auch an Bushaltestellen und Autobahnauffahrten möchte ich Fahrradbügel aufstellen lassen. Das erleichtert das Bilden von Fahrgemeinschaften und die Nutzung mehrerer Verkehrsmittel.
Auftakt des STADTRADELNs an der HRW am 15.08.2020
Jürgen Abeln mit Lastenrad
Das Lastenrad mit Regenverdeck, hier im März vor der Kita-Demo

PS: Ich fahre übrigens immer mit Helm, auch wenn der hier auf den Bilder nicht zu sehen ist (liegt im Lastenrad). Meine Kinder brauchen einen gesunden Papa.

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